
Im Zentrum des Zyklons
Server haben kein leichtes Dasein. Die schmucklosen Kisten müssen rund um die Uhr im Verborgenen arbeiten. Wahrgenommen werden sie meist nur, wenn sie einmal ausfallen, und Daten, Dokumente oder Online-Zugänge nicht verfügbar sind. Dabei spielen sie für die Unternehmens-IT eine zentrale Rolle und bestimmen ihre Leistungsfähigkeit.
"Denn die einen sind im Dunklen
Und die anderen sind im Licht
Und man sieht die im Lichte
Die im Dunklen sieht man nicht."
Als Berthold Brecht diese berühmten Zeilen für die Dreigroschenoper schrieb, dachte er nicht im Traum daran, dass sie für profane Servermaschinen passen könnten, Und doch trifft es wörtlich auf sie zu. Während schicke Notebooks oder durchgestylte Flachbildschirme öffentlich Wohlfühlcharaktere verströmen sollen, deutet schon das schmucklose Äußere der Server auf ihren Arbeitsplatz hin: versteckt in einer verschämten Ecke oder im 19-Zoll-Rack sollen sie nicht durch äußere, sondern ausschließlich innere Werte überzeugen.
Und in diesem Punkt wird ihnen Einiges abverlangt. Als zentrales Element der IT-Infrastruktur müssen sie oft rund um die Uhr ihre anspruchsvollen Aufgaben erledigen. Ihr Einsatzgebiet ist riesig. Als Applikations-Server stellen sie den Anwendern die Software - von Word bis SAP - zur Verfügung, samt den jeweiligen Daten und Dokumenten. Als Web-Server hosten sie Internet-Auftritt und E-Commerce. Als Datenbank- Server verwalten sie komplexe Programme wie Access, Oracle oder Infomix, die drauf aufsetzenden Datenbankanwendugen und die dazu gehörigen Datensätzen. Dazu kommen die Kommunikationsaufgaben wie E-Mail oder Instant Messaging, und natürlich müssen sie auch noch schnell und zuverlässig das Netzwerk am Laufen halten.
In großen Unternehmen werden für die verschiedenen Einsatzzwecke dedizierte Server eingesetzt, in kleineren Firmen muss häufig ein Server sämtliche Aufgaben solo abarbeiten. In jedem Fall bedarf es bei der Auswahl besonderer Sorgfalt, denn schließlich hängen Leistungsfähigkeit und Funktionsfähigkeit der gesamten IT davon ab.
Wer A sagt...
Jenseits technischer Daten spielen bei der Entscheidung für ein bestimmtes Produkt der Name und das Labes des Herstellers eine herausragende Rolle. Da unterscheiden sich Server nicht von Autos. Zuerst legt man sich auf einen Audi, BMW oder Volvo fest, und dann such man sich das passende Modell und die Ausstattung aus. Auch wenn man vielleicht bie Mazda oder Skoda ähnliche Leistung weitaus günstiger bekäme. In der Serverwelt stehen für das Premiumsegment Hersteller wie IBM oder Hewlett-Packard, die sogenannte A-Brands.
Die Server dieser Firmenzeichen sind u.a. dadurch aus, dass sie über den gesamten Produktionszyklus durchgängig mit den gleichen Komponenten bestückt werden. Anders würde der technische Support für die Hersteller - und ihre Vertriebspartner - zum Albtraum. Zudem werden sie ausgiebig mit den wichtigsten Betriebssystemen und Programmen im Serverumfeld getestet: etwa Microsoft Server, Linux, Oracle oder SAP. Doch all diese Prüfungen und Zertifizierungen brauchen Zeit. Deshalb, und bedingt dadurch die längeren Produktionszyklen, ist in den Geräten selten die allerneuste Technologie eingebaut. Sie zählen also nicht zu den "Early Adopers" sondern bestenfalls zu den "Fast Followers". Als Early Adopers bezeichnet man Hersteller, die neusten Entwicklung (Prozessoren, Chipsätze, usw.) als erste in ihren Geräten einsetzen. Und die findet man vornehmlich unter den B-Brands.
...darf auch B sagen
In diesem Bereich tummelt sich eine Vielzahlt von Herstellern, bei denen es nicht einfach ist, die Spreu vom Weizen zu trenne. B-Brands legen großen Wert darauf, nicht mit Garagisten und Bastelbuden in einen Topf geworfen zu werden. Und das zu Recht.
Firmen wie CPI oder Wortmann entwickeln ihre Server nicht von Grund auf selber, sondern setzen Chassis von Spezialisten wie Supermicro oder Tyan ein. Diese liefern meistens sogenannte Barebones, die in einem naturellen Gehäuse die Basisfunktionalität bereitstellen, also Prozessor, Chipsatz, Speicher und die Anschlüsse für die I7O-Funktionen. Alles andere wird individuell dazu konfiguriert, teilweise bis hinunter zur Losgröße 1.Durch dieses Built-to-order (BtO) Prinzip wird der Server schon "ab Werk" auf die jeweiligen Anforderungen hin gebaut.
Blade-Runner
Eine besondere Server-Spezies stelle die Blades dar. Blade bedeutet übersetzt Klinge, trotzdem werden sie nicht von Firmen wie Gilette oder remington hergestellt. Ursprünglich wurden sie von den A-Brands, insbesondere IBM propagiert, doch mittlerweile haben sie ihren Weg in das Angebot der ganzen Reihe von Herstellern auch aus dem B-Brand Bereich gefunden.
Ganz so dünn wie eine Rasierklinge sind sie zwar nicht, benötigen aber aufgrund ihrer schmalen Bauweise nur wenig Platz. Sie werden in ein Bladesystem (HP) oder ein Blade Center (IBM) eingeklickt, das für alle Blades u. a. die Stromversorgung und Lüftung übernimmt. Es stellt auch die optischen Laufwerke und die Anbindung von Storage Systemen über iSCSI oder Fibre Channel zur Verfügung. Neben dem geringen Platzbedarf sind Blades besonders flexibel skalierbar und außerdem entfällt ein Großteil der lästigen Verkabelung. Trotz der theoretischen Vorteile haben Bladesysteme aber bislang noch nicht den Erfolg gehabt, den sich seine Protagonisten versprochen haben. Gründe dafür mögen in der tatsache liegen, dass Blades quasi Proprietäre Systeme sind. Ein IBM Blade Center nimmt nur IBM Blades auf. Die Entscheidung für ein Bladesystem bedeutet deshalb auch die Festlegung auf einen bestimmten Hersteller.
Energisch gespart
Ein immer wichtigeres Thema im Serverumfeld ist der Energieverbrauch. Und das in mehrfacher Hinsicht. Je weniger Strim ein Server aufnimmt, desto weniger Energie verbraucht er, und desto weniger Leistung wird in Wärme umgewandelt.
Durch die reduzierte Hitzeentwicklung müssen die stromfressenden Lüfter selten für die Kühlung des Servers in Aktion treten. Und auch für die Klimatisierung des Serverraums muss weniger Energie ausgewendet werden, was den Strombedarf, und damit den an den örtlichen Stromversorger zu entrichtenden Kostenposten weiter senkt. Neben einer besseren Öko- und Umweltbilanz tragen also die Maßnahmen auf der Reduzierung der Stromaufnahme auch zu einer positiven Beeinflussung der TCO (Total Cost of Ownership) bei. Hitze bedeutet zudem eine geringere thematische und damit höhere Lebensdauer und weniger Ausfälle. Anders gesagt: eine gute Energiebilanz macht sich auch in den Unternehmensbilanzen positiv bemerkbar. Und das Öko-Gewissen wird auch noch entlastet.
Mit kühlem Kopf
Ein heißes Thema ist auch die zusätzliche Kühlung der Server. Selbst verbrauchsoptimierte Geräte werden immer noch ziemlich heiß. Da kann sich der Einsatz eines zusätzlichen Kühlsystems lohnen. Den größten Effekt versprechen Systeme mit Flüssigkühlung, wie etwa das Liquid Cooling System von HTP. Deren Wärmeleitfähigkeit ist gegenüber Luft um bis zu Faktor 1.000 besser, erfordern aber weitergehende Eingriffe in den Server und sollten deshalb nur vom Spezialisten, also vom AKCENT Computerpartner durchgeführt werden.
Mit kühlem Kopf sollte also nicht nur die Auswahl des Servers sondern auch des richtigen Umfelds vorgenommen werden. Auch wenn Server in der Regel ein Schattendasein führen, das Licht besonderer Aufmerksamkeit haben sie auf alle Fälle verdient.
|